| Radsport - eine
Herausforderung für zwei Mitglieder der Sektion Niederelbe |
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Meiner Wandergefährtin
Lilli Claaßen und mir geht es wie vielen anderen Älteren: je weiter weg vom
Geburtsdatum, desto mehr möchte man noch erleben und mitmachen. Wir sind
begeisterte Radler und entsprechend war in 2001 unser Programm. |
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Nach unserer dreimonatigen
Betreuung von Radsportlern auf der Insel Mallorca sowie der 300 km
Vätternsee-Rundfahrt in Schweden, dem Jedermannrennen bei den HEW
Cyclassics und einer Etappenfahrt des L.V. Schleswig-Holsteins in Tönning
folgte eine besondere Herausforderung: unsere Teilnahme an der 3000 km
langen „Internationalen Touristischen Friedensfahrt“ von Berlin über Paris
nach Barcelona mit 140 Teilnehmern aus 6 Ländern. Zumindest unseren inneren
Frieden haben wir dabei gefunden. Und unser Verfalldatum konnten wir
hoffentlich verlängern. |
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Wir starteten in Berlin auf
dem Marlene-Dietrich-Platz nahe dem Potsdamer Platz und hatten 18 Etappen
bis Barcelona vor uns. Ein Tross von mehreren Begleitfahrzeugen, bestehend
aus einem 15-Tonner-LKW für unser Reisegepäck und fünf Klein-LKW's und
Kleinbussen für unsere Verpflegung auf der Strecke begleitete uns. Alle
Teilnehmer wurden mit Streckenplänen ausgestattet, so dass jeder für sich
fahren konnte. Übernachtet wurde in Jugendherbergen oder Hotels. Für alle
140 Teilnehmer Unterkünfte zu beschaffen, war bestimmt nicht immer einfach,
es wurde manchmal improvisiert, aber es hat immer geklappt. Vielfach wurden
wir Teilnehmer auf Unterkünfte verteilt, die teilweise bis zu 30 km vom
Startplatz entfernt lagen. |
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Die Tour führte uns über
Potsdam und Bernburg/Saale, am südlichen Harz vorbei mit Kyffhäuser und
Windleite nach Eschwege. Weiter ging es durch das sehr anspruchsvolle
Landschaftsprofil des Hessischen Berglandes nach Marburg. Von hier aus
führten uns die Etappen nach Montabaur und mit sehr steilen Anstiegen nach
Bitburg. Auf diesen Etappen begleitete uns sehr schlechtes Wetter. Auch die
nächsten Etappen über Luxemburg und Belgien waren sehr hügelig und
verregnet. |
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Nachdem wir aber die Grenze
nach Frankreich passiert hatten (bon jour, France) und während wir durch
die Ardennen nach Reims radelten, wurde das Wetter schlagartig besser. Die
Fahrt von dort bis Paris (160 km) führte durch schöne, hügelige
Landschaften, aber die Hitze wurde fast unerträglich. Nach Paris fuhren wir
in geschlossenem Verband ein. Das war schon ein Erlebnis, mit 140 Radlern
klingelnd durch die Pariser Innenstadt zu radeln. In Paris wurde ein
Ruhetag eingelegt, den wir für eine Stadtbesichtigung nutzten. In den
nächsten Tagen stieg das Thermometer unaufhörlich. Ich selber hatte mit
starken Kreislaufproblemen zu tun. |
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Die nächsten Etappen
führten uns über Orleans (150 km) nach Bourges (130 km) und auf hügeliger
Strecke und bei teilweise 40 Grad Hitze nach Guéret. Auf der 12. Etappe
sind wir auf die Strecke der Tour de France gestoßen. Leider war die
Werbekolonne schon durch, so dass wir nur noch das Feld vorbeisausen sahen.
Weiter ging es 180 km nach Carcassonne in Süd-Frankreich. Von da ab wurde
die hügelige Landschaft mehr und mehr bergig. Die nächste Etappe (100 km)
führte uns teilweise schon über Serpentinen, über Mont-Louis nach
Superbolquère, einem Wintersportort mit einer Höhenlage von 1500 m, schon
sehr nah den Pyrenäen. Wir hatten immer noch über um 40 Grad, aber die
wunderschöne Gegend entschädigte uns dafür. |
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Anderntags führte uns auch
die 16. Etappe an vielen Bergen vorbei, über viele Anstiege und Serpentinen
raus aus Frankreich – merci, France - nach Andorra (115 km). Während der
17. Etappe passierten wir die Grenze nach Spanien.
Buenos dias,
Espana. Auch
diese Strecke hatte es noch einmal in sich; nach 120 km auf hügeligen
Straßen und bei extremer Hitze erreichten wir Manresa. |
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Zur letzten Etappe
starteten wir geschlossen, um nach den letzten 60 km die Stadt Barcelona
gemeinsam erreichen zu können. Ab Stadtrand wurden wir von einer
Polizei-Eskorte empfangen und in die Innenstadt zum Rathaus begleitet. Der
Zweite Bürgermeister hat uns dort herzlich empfangen.
Muchas gracias,
Senor. |
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Nach 18 Etappen und 3.000
km endete hier unsere abenteuerliche Fahrt. Wir haben viele schöne
Erinnerungen in uns aufnehmen können. Wir haben viel erlebt, uns gequält,
sind bei starker Hitze in den Bergen fast aus dem Sattel gefallen und haben
uns in nicht immer komfortablen Unterkünften einleben müssen. Aber
streichen möchten wir diese Erlebnisse nicht aus unserem Leben. Wir haben
uns in dieses Abenteuer gestürzt und es nicht bereut. Bei all diesen
Unternehmungen in 2001 ging es uns aber nicht um Auszeichnungen oder
dergleichen, mehr um das Bestehen einer Herausforderung vor uns selbst.
Entsprechend der Einstellung des französischen Nobelpreisträgers, Aristide
Briand: „Der Orden ist ein kostensparender Gegenstand, der es einem
ermöglicht, mit wenig Blech viel Eitelkeit zu befriedigen.“ |
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Vermutlich war es das
letzte Mal, dass wir so etwas Großes unternehmen konnten. Aber irgendwelche
Touren werden uns sicher immer wieder einfallen. Wenn wir auch näher am
Verfalldatum sind als am Geburtsdatum, muss das ja nicht gleich Verfall
bedeuten. |
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Adolf Schnelle |